Geothermie im Gebäudesektor in China

2012-06-20

Mit dem Workshop Geothermie im Gebäudesektor in China machte die Auslandshandelskammer (AHK) Beijing am 18. Juni in Beijing auf die steigende Bedeutung der Anwendung von Geothermie in China aufmerksam.


Der jährliche Energieverbrauch von China wird in den nächsten 5 Jahren gemeinsam mit dem Wirtschaftswachstum um 6,6 bis 7 Prozent steigen. Eine Entkopplung von Energieverbrauch und wirtschaftlichem Wachstum macht  konkrete Energieeffizienzmaßnahmen notwendig.  Nur so kann sichergestellt werden, dass jede Tonne Kohle eine höhere Wirtschaftsleistung produziert. Der Anteil der erneuerbaren Energien am Primärenergiebedarf soll zudem von 8 Prozent in 2011 auf 11,4 Prozent bis 2015 erhöht werden. Hierbei spielt die Energie- und Wärmegewinnung aus Geothermie eine wichtige Rolle. Das Ministerium für Landnutzung und Ressourcen (MLR) veröffentlichte Ende 2011 die Vorgabe, den geothermischen Anteil am gesamten Energieverbrauch in China von heute gerade einmal 0,17 Prozent (2011) auf 1,7 Prozent bis 2015 zu steigern.

Vor allem im Gebäudesektor ist eines der größten Wachstumspotenziale auszumachen: Zum jetzigen Zeitpunkt wurden bereits 2.236 Geothermieprojekte chinaweit realisiert und es wird eine Bruttogeschossfläche von insgesamt 140 Mio. m² mit Geothermie beheizt bzw. gekühlt. Darüber hinaus hat sich die chinesische Regierung das Ziel gesetzt, in den nächsten fünf Jahren 350 Mio. m² Bruttogeschossfläche mit geothermischer Energie zu beheizen.Es wird damit gerechnet, dass die bereits geothermisch beheizten bzw. gekühlten Wohn- und Gewerbeflächen jährlich um ca. 20 bis 30 Millionen m² zunehmen. Besonders stark ist die Entwicklung der Tiefengeothermie in Xianyang, Shaanxi Provinz, sowie in Donglihu, Tianjin, sowie Shenyang, Liaoning. 2010 betrug die installierte Leistung thermischer Energie aus Geothermie knapp 9.000 MW. Beate Grzeski, Leiterin der Wirtschaftsabteilung der deutschen Botschaft in Beijing, hob die Bedeutung der Energiegewinnung aus Erdwärme hervor. Gerade vor dem Hintergrund der rapiden Urbanisierung gelte es, nach alternativen und nachhaltigen Energiequellen zu suchen, so Grzeski.

50 Prozent der installierten Leistung wird durch Wärmepumpen erzeugt. Gut 20 Prozent werden für Bade- und Schwimmeinrichtungen verwendet und beachtliche 12 Prozent für die Fernwärmeversorgung durch die konventionelle geothermische Nutzung direkt in Gebäuden zur Wärmeversorgung. Es ergeben sich in der touristischen und medizinischen Nutzung von   mineralreichem Thermalwasser in Form von Freizeitbädern oder Tourismuszentren weitere Marktpotenziale. Die jährlichen Wachstumsraten in diesem Bereich werden auf 10 Prozent geschätzt.

Ebenso nimmt die geothermische Beheizung von Fischzuchten und Gewächshäusern mit einem jährlichen Wachstum des Marktes im einstelligen Bereich stetig an Bedeutung zu. Dr. Zhu Qingyu von der China  Academy of Building Research verdeutlichte den Fortschritt der Wärmepumpen in den letzten Jahren und die weitere Nutzung der Energie mittels Wärmepumpen in China. Auch im Bereich der geothermischen Nutzung zur Stromerzeugung ist ein deutliches Wachstumspotenzial zu erkennen. Zwar ist diese Form der Energieerzeugung in China und auch im internationalen Vergleich relativ schwach ausgeprägt, doch gehen Prognosen davon aus, dass der aus Geothermie erzeugte Stromanteil am gesamten Energieverbrauch um ca. 80% Prozent bis 2015 steigen wird.

Hierbei ergeben sich Chancen für deutsche Unternehmen in dem Bereich der Umwelttechnik im Umfang von ca. 10 Mrd. Euro. Deutsche Technik und Know-how kann die chinesische Regierung bei der Erreichung ihrer Energieeffizienzziele unterstützen.

Während des Symposiums wurden den anwesenden Vertretern der chinesischen Wirtschaft unter anderem die Grundzüge der Geothermie vorgestellt. Außerdem stellten führende deutsche und chinesische Vertreter, wie etwa der deutsche Wärmepumpenhersteller Glen Dimplex oder die Firma AP Sensing, Adunos, Funke und Mull und Partner ihre Dienstleistungen und Produkte vor. Professor Ludwig Rongen, von der FH Erfurt, erläuterte den Einsatz der Geothermie im Zusammenhang energieeffizienter Gebäude und hob deutlich hervor, dass es im Wesentlichen um die Integration der Geothermie im System Gebäude geht.

Ein großer Nutzen der Veranstaltung sei es, so Xu Wei, Direktor von der China Association of Building Energy Efficiency, dass China von den bereits bestehenden Erfahrungen über die deutsche Firmen auf dem Gebiet der Geothermie verfügten, profitieren könne. Insbesondere in den großen chinesischen Städten mit ihrer hohen Bebauungsdichte, spiele diese Form der Wärme- und Energiegewinnung bereits eine große Rolle. Die Veranstaltung mit ca. 70 Teilnehmern aus Wirtschaft und Politik wurde von den Teilnehmern als ausserordentlich gute Platform für Fachgespräche und Geschäftsanbahnung bewertet.

 
left: Auditorium
right: Konferenzteilnehmer im Gespräch mit Herrn Sören Pürschel, Leiter der Umweltabteilung AHK Beijing

 



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